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2003 La Châtre

Schüler aus Wasserburg zu Besuch in Frankreich

16. - 23. Mai 2003

Für manch einen pessimistisch veranlagten Schüler könnten die Erinnerungen an Frankreich aus Regen, Erkältungen, einem gebrochenen Arm und endlosen Busfahrten bestehen. Die unverbesserlichen Optimisten unter uns erinnern sich nur an Sonnenschein, unerwartet viel Freizeit aufgrund streikender Lehrer, die allzeit praktizierten Begrüßungsküsschen mit durchaus ansehnlichen Exemplaren des anderen Geschlechts und die französische Küche. Eine bunte Mischung aus beidem beschreibt am besten die Erlebnisse dieser Woche.

Die erste endlose Busfahrt begann bei schönem Wetter am Freitag, den 16. Mai 2003 um 6 Uhr früh. 30 Schülerinnen und Schüler samt Frau Fischer, die begleitende Lehrkraft, hatten sich teils aufgeregt und gespannt, teils noch im Tiefschlaf, pünktlich versammelt, so dass wir, sehr zur Freude unseres Busfahrers, auch um Punkt 6 Uhr abfuhren. Dank der in Frankreich wie ausgestorben wirkenden Straßen kamen wir schon um 20 Uhr in La Chatre an, was nicht nur uns überraschte, sondern auch die Franzosen, die erst um 21 Uhr mit uns gerechnet hatten und mit Handys von schon anwesenden Schülern gerufen werden mussten.

Nachdem dann alle (Gott sei dank restlos) aufgeteilt worden waren, ging es auf zu dem jeweiligen Heim für die nächste Woche. Das Wetter präsentierte sich leider regnerisch, so dass sich manch eine Schülerin ziemlich erkältete, während der Regenschirm und die warmen Jacken sorgsam im Koffer verpackt waren oder auch säuberlich aufgeräumt zu Hause lagen. (irgendetwas vergisst man doch immer!) So hätte das Wochenende ein Flopp werden können, doch durch die wirklich liebevolle Pflege der Gastfamilien genasen sie so weit, dass auch sie die zahlreichen Aktivitäten genießen konnten wie zum Beispiel shoppen gehen, Kino, Billard spielen, Schloss besichtigen, reiten, neue Freunde treffen, Parties, ... und das alles zusammen mit freundlichen Familien und lieben Austauschpartnern.

Am Montag begann dann schließlich das offizielle Programm. Wir fuhren in der Früh zusammen mit unseren Partnern in die Schule, wo wir uns alle zu versammeln hatten, um eine Schulbesichtigung zu machen. Zuerst begrüßte uns noch der Direktor und dann ging es los. Da das Lycée George Sand eine Ganztagsschule mit Internat ist, gibt es dort eine Kantine (gar nicht schlecht, wirklich, gar nicht schlecht!), einen Aufenthaltsraum mit Fernseher und Bar für die Internatsschüler und eine Bibliothek mit Internetanschluss. Außerdem haben sie besondere "Sections professionelles", wo Schüler der Oberstufe in einen praktischen Beruf schnuppern und die Grundbegriffe erlernen können. Es wurde dort Holzverarbeitung und -restauration, Kinder- bzw. Krankenpflege, Beziehen und Aufpolstern von Möbeln und Kochen sowie Servieren angeboten. Von der Arbeit sah man nicht viel, da das ganze Lycée wie leergefegt war, weil sowohl die Lehrer als auch die Angestellten streikten. Das störte aber weder uns, noch (natürlich, warum auch?) die Schüler.

Wir besichtigten auch La Chatre selbst, haben jedoch an diesem Tag nicht viel gesehen, da das Städtchen beliebte, sich in einen Regenschleier zu hüllen. Daher suchten wir Zuflucht in einer Kirche (nach uns die Sintflut!), so dass die Kultur nicht ganz zu kurz kam. Am Dienstag durften wir mit in den Unterricht (kein Kommentar... nein, es war wirklich interessant.) und machten die Erfahrung, dass die französischen Schüler teilweise gesitteter sind als wir. Diesmal konnten wir auch zum ersten Mal in der Kantine essen, was am Montag wegen des Streiks nicht möglich gewesen war. 

Am Nachmittag fuhren wir nach Nohant, wo wir das Haus von George Sand besichtigten, einer der ersten emanzipierten Frauen, die häufig die Liebhaber wechselte (unter ihnen auch Chopin) und sogar mit einigen Frauen sehr nahe Bekanntschaften schloss. Nach ihr ist so ziemlich alles in La Chatre benannt, die Parks, die Schulen und die Straßen, wobei manche von ihnen mit anderen Mitgliedern der Familie Sand vorlieb nehmen müssen, aufgrund der Verwechslungsgefahr.

Das Wetter besserte sich zunehmend, so dass der für Mittwoch geplante Ausflug nach Bourges schon mal unter einem guten Stern stand. Wir besahen uns die in Gemüsegärten verwandelten Sümpfe und die gigantische Kathedrale bis Mittag, holten uns dann das mitgebrachte Picknick und stürzten uns schließlich bis 16.15 Uhr allein ins Getümmel. Natürlich hatten wir auch vor, die sehenswerte Altstadt zu besuchen (selbstverständlich!), aber irgendwie sind wir in der Hauptladenstraße hängen geblieben, auf der Suche nach Andenken, Mitbringseln für die Familie und der neuesten Mode.

Bei der Rückfahrt fielen uns wieder die anscheinend typischen Landschaftsmerkmale auf. Die Gegend scheint nahezu verlassen, bis auf einzelne Dörfer, von denen jedes fünfte ein Schloss besitzt. Dafür beleben weiße (!) Kühe und Schafe die Landschaft, die in kleinen Gruppen auf Weiden stehen, die bei uns in mindestens sechs einzelne eingeteilt würden. Als wir schließlich wieder am Lycée ankamen, empfing uns der Direktor mit einer Rede und Platten voller kleiner, unheimlich leckerer Häppchen. Nachdem wir der Ansprache andächtig gelauscht hatten, stürzten wir uns darauf und ließen keinen Krümel übrig.

Den Donnerstagvormittag über mussten wir arbeiten. Wir bereiteten einige Plakate mit Danksagungen, Glückwünschen, Lippenstiftküsschen und Bemerkungen über die Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland vor. Außerdem studierten wir zwei Lieder ein, die wir dann am Abend bei der Abschiedsfeier vortrugen. Diese Feier war ein kulinarisches Erlebniss (die Mütter hatten gekocht!) und sehr lustig, aber es waren auch ernste Gesichter zu sehen, denn der Abschied am Freitag lauerte im Hintergrund. Der wurde dann auch wirklich schlimm. Unter Tränen, Küssen und Umarmungen trennten wir uns von unseren neuen Freunden.

Für einen von uns war das Ende jedoch ein besonders bitteres: er hatte sich am Donnerstagabend den Arm gebrochen und freute sich nicht wirklich auf eine 14 stündige Busfahrt. Aber alles hat einmal ein Ende und da immer ein super Stimmung im Bus herrschte dank guter Musik und anderen Zerstreuungen, war auch die Rückfahrt eigentlich ein Vergnügen, das diese gelungene Woche abrundete.

Sie werden vielleicht bemerkt haben, dass unsere Lehrerin, Frau Monika Fischer, kaum erwähnt wurde. Das liegt daran, dass sie so gut in unsere Gruppe gepasst hat durch ihre jugendliche und dynamische Art und ihren Sinn für Humor, mit dem sie jeden Spaß mitmachte, dass ich sie zu dem verwendeten "uns" und "wir" einfach dazugezählt habe. Vielen Dank, Frau Fischer!

Judith Mandetzky

Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn