Sie befinden sich hier: Home   Austausch   Vincennes   2010 Wasserburg 

2010 Wasserburg

Schüler aus Vincennes zu Besuch in Wasserburg

1. - 16. Juni 2010

Nachdem im Schuljahr 2008/09 eine Gruppe von 15 Wasserburger Schülern Vincennes besuchen konnte, fand dieses Jahr vom 1. bis 16. Juni wieder ein Gegenbesuch statt. Acht Schüler kamen in Begleitung ihrer Deutschlehrerin, Frau Kramer, und ihres Ehemanns nach Wasserburg. Die ersten Tage ihres Aufenthalts fielen noch in die Pfingstferien; während dieser Zeit wurden die Amerikaner von ihren Gastschülern und -eltern gut betreut, und auch ein gemeinsamer Ausflug an den Chiemsee stand auf dem Programm.

Als die Schule wieder anfing, nahmen die Amerikaner am Unterricht teil; zunächst begleiteten sie ihre Gastschüler, waren dann aber auch in zahlreichen Englischstunden anwesend und aktiv beteiligt. Viele Englischlehrerinnen unserer Schule nutzten gerne die Gelegenheit, ihre Schüler einmal mit „echten Amerikanern“ in Kontakt zu bringen und interkulturelles Lernen von Angesicht zu Angesicht zu ermöglichen.

Außerdem machten unsere amerikanischen Gäste zwei weitere Exkursionen: nach München sowie zur KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Entscheidung, letzteren Programmpunkt aufzunehmen, habe ich als betreuende Lehrkraft mit den deutschen Gastschülern gemeinsam getroffen, und zwar aus der Überzeugung heraus, dass es uns gut ansteht, die dunkle und grausame Seite unsere Geschichte nicht etwa beschämt zu verschweigen, sondern sich offen damit auseinanderzusetzen. Das kann auch beklemmend sein – besonders wenn es sich so ergibt wie diesmal, dass Vorfahren von einer der amerikanischen Austauschschülerinnen selbst in Dachau inhaftiert waren. Die ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, wie sie in Dachau und an vielen anderen Orten in unserem Land heute glücklicherweise praktiziert wird, ist aber etwas, auf das man auch stolz sein kann und das man gerne vermitteln darf. Die heitereren Seiten der deutschen Kultur und Geschichte standen bei all den anderen Programmpunkten sicher ausreichend im Mittelpunkt.

Immer wieder fragen mich Schüler und Eltern, warum der USA-Austausch nicht häufiger und mit größerer Teilnehmerzahl stattfindet; daher einige kurze Erklärungen. Das Luitpold-Gymnasium ist eines von nur wenigen Gymnasien, die überhaupt noch einen Schüleraustausch mit den USA haben; viele Schulen haben mittlerweile überhaupt keinen Austausch mit der englischsprachigen Welt mehr.

Der Grund dafür ist nicht etwa Desinteresse auf deutscher Seite, sondern das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Die ganze Welt lernt Englisch, und Schulen auf der ganzen Welt bemühen sich um Austauschprogramme mit der englischsprachigen Welt. Das Deutsche hat dort aber leider nur einen geringen Stellenwert. Viele englische Muttersprachler sehen keine Notwendigkeit, Fremdsprachen zu lernen, und in den Schulen haben die „foreign languages“ folglich einen schweren Stand.

An der Lincoln High School in Vincennes beispielsweise ist das Wählen einer Fremdsprache keine Pflicht. Wenn ein Schüler eine Fremdsprache lernen möchte, muss er sich zwischen Deutsch, Französisch und Spanisch entscheiden. Aufgrund der geographischen Nähe Mexikos und der zahlreichen von dort kommenden Einwanderer ist Spanisch mit Abstand am populärsten; Französisch und Deutsch kommen mit weitem Abstand auf den Plätzen zwei und drei. Donna Kramer ist an der Lincoln High School die einzige Lehrkraft für Deutsch – an einer Schule mit immerhin über 800 Schülern!

Folglich ist auch das Interesse an einem Schüleraustausch mit Deutschland nicht allzu groß. Unsere amerikanische Partnerschule schafft es mit einiger Anstrengung, alle zwei Jahre 15 Gastfamilien für unsere Schüler zu organisieren; beim Gegenbesuch kommen meist deutlich weniger Schüler zu uns. Für einen Austausch in größerem Rahmen gibt es also einfach nicht genug interessierte Schüler in den USA; er würde auch die Kapazitäten einer einzigen, auf sich alleine gestellten Deutschlehrkraft übersteigen.

Auch wenn unser Austauschprogramm also notgedrungen klein ist, ist es dennoch wertvoll. Aus den Besuchen und Gegenbesuchen sind in den letzten Jahren immer wieder dauerhafte Freundschaften geworden. Dass dies möglich ist, verdanken wir auch der Schulleitung, die den Austausch immer wieder auf unkomplizierte Weise unterstützt. Dank gebührt auch der Stadt Wasserburg, allen voran dem Bürgermeister, Herrn Kölbl, für seine Förderung der Städtepartnerschaft mit Vincennes.

Bei der Pflege von Kontakten zwischen unseren beiden Städten leistet auch das Vincennes-Komitee der Stadt Wasserburg immer wieder gute Dienste und wirkt bei der Organisation des Schüleraustauschs hilfreich mit; auch dafür vielen Dank allen Mitgliedern und Mitwirkenden. Wer sich für die Arbeit des Komitees interessiert, kann sich im Internet unter www.wasserburg.de/de/vincennes-komitees informieren. Dort kann man auch Mitgliedsanträge herunterladen.

Matthias Haus


Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn