Kollegstufe 1972 - 2011
Ein Anliegen der Oberstufenreform von 1970 war es, die Kriterien der Hochschulreife der zeitlichen Entwicklung anzupassen und in der Oberstufe der Gymnasien ein stärker auf die veränderten Bedürfnisse der Hochschulen abgestimmtes Arbeiten zu ermöglichen. Die Hochschulreife sollte nicht mehr durch die Erfüllung bestimmter Anforderungen in einem für alle Schüler verbindlichen Fächerkanon erreicht werden, sondern dadurch, dass der Kollegiat bestimmten Grundanforderungen in drei Aufgabenfeldern genügte und zusätzlich gehobene Leistungen in zwei von ihm gewählten wissenschaftlichen Fächern nachwies. Dadurch sollte sowohl die intensive Vorbereitung wissenschaftlichen Arbeitens, wie die Sicherung einer allgemeinen Grundbildung gewährleistet werden.
Ab dem Schuljahr 1970/71 nahmen in Bayern 13 Gymnasien, darunter das Luitpold-Gymnasium Wasserburg, am Versuch zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe teil. In der Erprobungsphase galt es abzuwägen zwischen dem Wunsch nach kontinuierlicher und rechtlich abgesicherter Arbeit in den Schulen und der Notwendigkeit, für Veränderungen offen zu sein und entsprechende Erfahrungen unmittelbar in die schulische Praxis umzusetzen.
Im Modell von 1970 wurden die Klassenverbände nach der 11. Klasse aufgelöst und durch Kursgruppen ersetzt. An die Stelle der Schuljahre traten Studienhalbjahre. In der neuen Kollegstufe erhielt der Kollegiat das Recht, die seinen individuellen Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsschwerpunkte selbst zu bestimmen. Um eine zu enge Spezialisierung zu vermeiden, wurde ein Pflichtpensum von Grundkursen vorgeschrieben, das die gewählten Leistungskurse in den ausgesparten Bereichen ergänzte. Diese Grundkonzeption der Kollegstufe ist bis zum letzten Kollegstufenjahrgang 2009/2011 unverändert geblieben. Im Laufe der Jahre wurde allerdings die Wahlfreiheit der Kollegiaten immer stärker eingeschränkt.
Den spätestens in der 13. Jahrgangsstufe volljährigen Kollegiaten wurde in ein deutlich höheres Maß an Selbstverantwortung eingeräumt, was deren Arbeitsstil grundlegend verändern sollte. Durch seine Wahlentscheidung bestimmte der Kollegiat in erheblichem Umfang mit, was ihm in der Kollegstufe geboten wird. Er sollte sich selbständig orientieren, seine Studienpläne selbst gestalten und seine Studiennachweise selbständig erbringen, ohne in jedem Einzelfall angeleitet und kontrolliert zu werden.
Rat und Hilfe wurde den ersten 31 Kollegiaten von drei „Tutoren“ angeboten, die für eine kontinuierliche Studienberatung in Anspruch genommen werden konnten. Der Glaube an den „idealen Kollegiaten“, der seinen neu gewonnenen Freiheitsraum in positive Arbeitshaltung umsetzen würde, wurde in der Praxis bald erheblichen Erschütterungen ausgesetzt. Schon nach einem Jahr formulierte der damalige Kollegstufenbetreuer im Jahresbericht vorsichtig, dass „der Widerspruch zwischen dem Prinzip der Demokratisierung und der Notwendigkeit, bestimmte Lernziele zu erreichen, besonders spürbar wird beim Unterrichtsbesuch und bei der häuslichen Vorbereitung“.
Die Leistungskurse waren bei der Einführung des Kollegstufenmodells 1970/71 mit 6 Wochenstunden je Fach ausgestattet. Sie sollten in Kleingruppen mit durchschnittlich 15 Kursteilnehmern durchgeführt werden. Das Fach Sport, damals „Leibeserziehung“, war als Leistungskurs nicht möglich. Am LGW waren die ersten sechs Leistungskurse Deutsch (9 Teilnehmer), Englisch (12), Mathematik (9), Physik (9), Gemeinschaftskunde (13) und das Leistungskursdoppelfach Biologie/Chemie (10). Um den Kursleitern die von ihnen geforderte hohe Leistung zu ermöglichen erhielten sie eine Stundenentlastung von zwei Wochenstunden. Ein Leistungskurs verschlang also ein Drittel des Stundendeputats eines Lehrers. Seit dem Jahrgang 1993/95 wurde ein Leistungskurs fünfstündig unterrichtet und die Kursleiter erhielten in der Regel eine Entlastungsstunde. In den letzten Schuljahren erhielten die Kollegen, selbst bei Kursen mit 22 Schülern, keine Entlastung.
Mathematik ist der einzige Leistungskurs, der in jedem Jahr seit Einführung der Kollegstufe eingerichtet wurde. Das Leistungskursfach Gemeinschaftskunde, das sich aus den Fächern Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde zusammensetzte, erwies sich als nicht praxistauglich. Im zweiten Kollegstufenjahrgang 1971/73, mit bereits 33 Versuchsschulen, gab es beispielsweise nur mehr vier Schulen mit dem Kunstgebilde „Gemeinschaftskunde“ als Leistungskurs. In der Folge wurde das Fach „entflochten“ und es wurden nur mehr die Leistungskurse Geschichte oder Geschichte/Sozialkunde oder Erdkunde, heute „Geographie“ genannt, angeboten. In den ersten fünf Jahren des Modells Kollegstufe gab es auch das LK-Doppelfach Biologie/Chemie. Ab dem Jahrgang 1975/77 erfolgte die Trennung in die eigenständigen Fächer Biologie und Chemie. Folgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, in wie vielen der insgesamt 40 Kollegstufenjahrgänge von 1970/72 bis 2009/11 die einzelnen Fächer als Leistungskurse eingerichtet wurden und wie viele zur Abiturprüfung zugelassene Abiturienten diese Kurse durchlaufen haben.
|
Fach |
Anzahl |
Anzahl |
Fach |
Anzahl |
Anzahl |
|
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Mathematik |
40 |
730 |
|
Sport |
26 |
371 |
|
Englisch |
39 |
816 |
|
Wirtschaft/Recht |
26 |
351 |
|
Biologie |
37 |
547 |
|
Kunst |
18 |
233 |
|
Physik |
37 |
464 |
|
Erdkunde |
13 |
207 |
|
Chemie |
35 |
421 |
|
Geschichte |
13 |
144 |
|
Deutsch |
31 |
416 |
|
Sozialkunde |
4 |
48 |
|
Französisch |
30 |
368 |
|
Italienisch |
1 |
10 |
|
Latein |
30 |
355 |
|
Musik |
1 |
8 |
Der Kurs in Gemeinschaftskunde wurde dem Fach Geschichte/Sozialkunde zugeordnet. Alle fünf Jahrgänge des Doppelfaches Biologie/Chemie wurden, mit hälftiger Schülerzahl, sowohl dem Fach Biologie als auch Chemie zugeordnet. Doppelführungen gab es in Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie und Chemie. In den letzten fünf Jahrgängen gab es in den Fächern Englisch und Mathematik ununterbrochen Doppelführungen. Die folgende Statistik über die Abiturientenanzahl der letzten fünf Jahre belegt die außerordentliche Beliebtheit dieser beiden Fächer.
Die Anzahl der einzurichtenden Leistungskurse wurde bis einschließlich 1997 mittels vom Kultusministerium vorgegebener Berechnungsverfahren, die im Laufe der Jahre Änderungen unterworfen waren, ermittelt. Traumhafte durchschnittliche Kursgrößen von 10,4 Kollegiaten ergaben sich in den ersten drei Jahrgängen. In der gesamten Versuchsphase (Jahrgang 1970/72 bis 1976/80) waren es durchschnittlich 12,3 Kollegiaten pro Kurs. Die folgenden 16 Jahrgänge weisen einen Durchschnittswert von 13,5 auf. Die Jahrgänge 1993/95 bis 2009/11 lagen im Mittel bei 15,7 Kollegiaten pro Kurs. Diese Durchschnittswerte basieren auf der Anzahl der Kollegiaten zu Beginn des 1. Kurshalbjahres (12/1). Extreme Abweichungen vom Mittel waren Kurse wie Chemie 1984/86 und Geschichte 1987/89, in denen nur jeweils 6 Schüler die Abiturprüfung ablegten. Andererseits waren im Leistungskurs Mathematik des Jahrgangs 1995/97 23 Schüler vom ersten bis zum letzten Unterrichtstag präsent. Grundkurse wurden in der Regel bei Kursgrößen von 29 oder mehr Schülern geteilt.
Die Einrichtung von Kursen unterlag ab dem Schuljahr 1997/98 nicht mehr starren Vorschriften. Im Rahmen der sogenannten „Budgetierung“ konnten die Kursgrößen von der Schule selbst festgelegt werden: Abhängig von der Schülerzahl in der Oberstufe steht dem jeweiligen Gymnasium eine bestimmte Gesamtzahl an Unterrichtsstunden zu, mit denen der gesamte Leistungs- und Grundkursunterricht abgedeckt werden muss. Da diese Reform kostenneutral war, ergaben sich keine gravierenden Änderungen in den Kursgrößen gegenüber den Vorjahren. Vorteilhaft war, dass die Eigenverantwortung der einzelnen Schule gestärkt wurde und dass Sonderregelungen für diverse Schulen abgebaut worden sind.
Jeder Grundkurs war zunächst mit zwei oder drei Wochenstunden ausgestattet. Zweistündige Fächer waren Religion, Biologie, Chemie, biologisch/chemisches Praktikum, Kunst, Musik und Leibeserziehung. Dreistündig waren Deutsch, Fremdsprachen, Mathematik, Physik und Gemeinschaftskunde. Ab dem Jahrgang 1974/76 wurden Biologie und Chemie ebenfalls dreistündig unterrichtet. Dafür wurde es allerdings möglich Physik, Chemie oder Biologie zu streichen. Gemeinschaftskunde wurde wie im Leistungskursbereich entflochten und den einzelnen Fächern zwei Unterrichtsstunden zugewiesen. Im Jahrgang 1981/83 wurde Deutsch im Grundkurs erstmals vierstündig unterrichtet.
Die Belegungs- und Einbringungspflicht im Jahre 1970 gab dem Kollegiaten große Variationsmöglichkeiten. Für vier Halbjahre mussten belegt werden: Deutsch, Religion, Gemeinschaftskunde und Leibeserziehung. Für zwei Halbjahre Fremdsprache, Mathematik, Physik, Biologie, Chemie, Kunst oder Musik und das biol./chem. Praktikum (nur für die Kollegiaten des Leistungskurses B/C). Einbringungspflichtig waren 20 Halbjahresleistungen, davon Deutsch (3), Fremdsprache (2), Kunst oder Musik (2), Mathematik (2), Naturwissenschaft (5), Religion und Gesellschaftswissenschaften (4). Ein Kollegiat, der die Leistungskurse Mathematik/Physik oder Englisch/Gemeinschaftskunde gewählt hatte, kam auf 13 Pflichteinbringungen in den Grundkursen; 7 weitere Halbjahresleistungen konnte er sich frei wählen, aus länger belegten vorgeschriebenen Grundkursfächern, aus Leibeserziehung oder aus Zusatzangebotsfächern wie beispielsweise Allg. Sittenlehre, Archäologie, Literatur, Psychologie, den neu beginnenden Fremdsprachen Spanisch oder Italienisch, Chor, Elektronische Datenverarbeitung oder Informatik.
Das System der Kollegstufe war in der Theorie sicherlich gut durchdacht, doch die Praxis zeigte schonungslos die Schwächen auf. Nicht alle Schüler nutzten ihre Freiheiten zur Vertiefung ihrer Ausbildung. Bisher unentdeckte „Vorteile“ des Systems wurden erkannt und genutzt: Beispielsweise brauchte man Mathematik und die Fremdsprache nur für zwei Halbjahre zu belegen und einzubringen. Hatte man im ersten oder zweiten Halbjahr nicht nach Wunsch abgeschlossen, so genügte es, dieses Fach in 13/1 nochmals zu belegen und sich in 13/2 abzumelden. Das KST-System ließ es in der Versuchsphase auch zu, dass ein Fach wie Geschichte beispielsweise dreimal mit Null Punkten belegt werden konnte. „Es war eine weit verbreitete Grundhaltung, dass der Leistungswille nur dorthin gezielt gerichtet war, wo für die Abiturnote etwas zu holen war, und alles andere wurde demonstrativ hängengelassen“, so der ehemalige Schulleiter Hr. Marx in einem Schreiben vom Juni 1977.
Die Reaktion war abzusehen: Die Belegungspflicht in Deutsch, in der Fremdsprache und in Mathematik wurde auf vier Halbjahre erhöht und die Pflichteinbringung zunächst auf drei (1992), später auf vier Halbjahre (2002) erweitert. Es existierten bereits weitergehende Überlegungen, sowohl die Fremdsprache als auch Mathematik als Abiturfach vorzuschreiben. Ebenfalls abgeschafft wurde die Möglichkeit ein Fach mit 0 Punkten zu belegen. Weiter mit Motivationsproblemen zu kämpfen hatten Fächer wie Geschichte, die Fächergruppe Erdkunde-Sozialkunde-Wirtschaft/Recht, sowie kath./ev. Religion und Ethik, da in diesen Fächern nach wie vor nur zwei Halbjahre eingebracht werden mussten.
In den Abituren 1972 und 1973 waren für einen Abiturienten maximal 1200 Punkte möglich. Diese Punktsumme setzte sich zusammen aus der Abiturprüfung (400), drei Halbjahren aus den Leistungskursen (360), zwei Facharbeiten (40) und 20 einbringungspflichtigen Grundkursen (400). Hier muss berücksichtigt werden, dass in den ersten beiden KST-Jahrgängen ein 20-Punkte-System zu Grunde lag: Die Noten 1 bis 5 entsprachen 20 bis 6 Punkten, die Note 6 war dagegen aufgeweitet in 0 bis 5 Punkte. Bereits 1973/74 stellte man auf das noch heute übliche 15-Punkte-System um.
Eine Neuerung war die Einführung von Facharbeiten. In jedem seiner Leistungskurse sollte der Kollegiat eine schriftliche Hausarbeit im Umfang von etwa 5 bis 10 Schreibmaschinenseiten erstellen. In Ausnahmefällen konnte anstelle der beiden einsemestrigen Facharbeiten (jeweils einfache Gewichtung) eine zweisemestrige Facharbeit (doppelte Gewichtung) erstellt werden. Die Praxis zeigte, dass die Ausnahme die Regel war: So schrieben bereits im Einführungsjahrgang nur 11 von 33 Absolventen zwei Facharbeiten, im zweiten Jahrgang war es nur mehr ein Kollegiat von 41.
Bis zum Abitur 1978 wurde den Kollegiaten in der 12. Jahrgangstufe eine „Vorprüfung“ in einem Grundkursfach abverlangt. Diese Prüfungsleistung ging in die Abiturwertung ein und hatte für den Schüler den Vorteil, sich im letzten Schuljahr nur auf zwei Fächer (Leistungskurse) in der schriftlichen Abiturprüfung konzentrieren zu müssen. Obligatorisch war eine mündliche Abiturprüfung von 20-minütiger Dauer, sowohl im Vorprüfungsfach, wie in den beiden Leistungskursfächern, die einerseits eine zusätzliche Belastung darstellte, sich andererseits aber durchaus als hilfreich zur Notenverbesserung erweisen konnte. Die Abiturprüfung umfasste noch eine Kolloquiumsprüfung von 30 Minuten Dauer in einem weiteren Grundkursfach.
In der sieben Jahrgänge währenden Versuchsphase bis zum Abitur 1978 konnten zwei Abiturienten den ausgezeichneten Notenschnitt von 1,0 vorweisen: Wilfried Gronbach 1973 und Elisabeth Beltinger 1978.
Mit Einführung der Kollegstufe in ganz Bayern, erstmals im Jahrgang 1977/79, wurden die verpflichtenden mündlichen Prüfungen abgeschafft. Die bisher in der 12. Klasse stattfindende Vorprüfung wurde in die am Ende der 13. Jahrgangsstufe stattfindende Abiturprüfung integriert. Dieses schriftliche Grundkursabitur („S-Fach“) fand seither am 1. Prüfungstag statt. Jetzt war ein Kollegiat gezwungen sein S-Fach zwei Jahre lang zu belegen und einzubringen. Die Kolloquiumsprüfung in einem weiteren Grundkursfach wurde beibehalten. Die Abiturzeugnisse der Jahre 1974 bis 1991 wiesen für einen Abiturienten maximal 900 Punkte aus, die sich analog zu den ersten beiden Kollegstufenabschlüssen aus Abiturprüfung (300 Punkte), Leistungskursen und einer Facharbeit (300) sowie 20 einbringungspflichtigen Grundkurshalbjahresleistungen (300) zusammensetzten. Herausragende Abiturienten mit einem Notendurchschnitt von 1,0 waren in dieser Phase der Kollegstufe (Abitur 1979 bis 1991):
| Schüler |
Abiturjahr |
|---|---|
| Rudolf Amann |
1980 |
| Elisabeth Meindl |
1981 |
| Ernst Miethaner |
1981 |
| Robert Lindner |
1982 |
| Bernhard Raaf |
1982 |
| Judith Meindl |
1986 |
| Birgit Bauer |
1987 |
| Irmgard Meindl |
1987 |
| Johannes Geiger |
1989 |
| Erika Böck |
1991 |
Einschneidende Änderungen gab es in der Kollegstufe ab dem Schuljahr 1991/92: Die neue Prüfungsordnung verstärkte die Allgemeinbildung zu Lasten der Spezialisierung in den Leistungskursen. Seit 1992 mussten 22 Grundkursleistungen (330 Punkte) eingebracht werden, die Leistungskurse brachten inklusive der Facharbeit nur mehr 210 Punkte, das Abitur steuerte 300 Punkte bei; insgesamt wurden also 840 Punkte verteilt. In Mathematik, Deutsch und einer Fremdsprache mussten jetzt drei Halbjahre eingebracht werden, ab dem Schuljahr 2000/01 sogar vier Halbjahre. Eine zusätzliche mündliche Prüfung von 20-minütiger Dauer in den schriftlichen Abiturprüfungsfächern war nur dann erforderlich, wenn der Kandidat auf Grund der bisherigen Abiturleistungen die erforderliche Punktzahl nicht erreicht hatte, bzw. wenn er seine Gesamtnote verbessern wollte.
Die Änderung der Prüfungsordnung hatte auch zur Folge, dass die Anzahl der frei zu wählenden zusätzlichen Einbringungen reduziert wurde. Ein Kollegiat mit den Leistungskursen Englisch und Biologie und den Grundkursabiturfächern Deutsch und Geschichte kam bis zum Schuljahr 1999/2000 auf 18, ab 2000/01 auf 19 Pflichteinbringungen. Es bleiben also nur mehr vier bzw. drei völlig frei zu wählende Einbringungen. Für die besten Abiturienten war diese Änderung eher Anreiz denn Hindernis. Trotz der erschwerten Bedingungen gelang es 13 Abiturienten in den folgenden 20 Jahren (Abitur 1992 bis 2011) die nötige Punktzahl für den herausragenden Schnitt von 1,0 zu erreichen:
| Schüler |
Punktezahl |
Abiturjahr |
|---|---|---|
| Barbara Wäsle |
777 |
1996 |
| Richard Betz |
772 |
1997 |
| Ursula Budenhofer |
787 |
2000 |
| Magdalena Grüber |
784 |
2000 |
| Gregor Höng |
817 |
2002 |
| Manfred Hanke |
788 |
2002 |
| Sandra Glaser |
785 |
2002 |
| Laura Höng |
772 |
2005 |
| Christine Haider |
771 |
2005 |
| Katharina Unger |
771 |
2007 |
| Anna Wegscheide |
770 |
2010 |
| Manuela Lambacher |
781 |
2011 |
| Michael Kölbl |
778 |
2011 |
Als einziger Abiturient des LGW schaffte Gregor Höng die Aufnahme in die Stiftung Maximilianeum. Über die Leistungsstärke eines Jahrgangs erhält man eine treffende Aussage, wenn die Durchschnittsnote über alle Kollegiaten dieses Jahrgangs betrachtet wird. In der aufgeführten Statistik werden nur die Abiture ab 1992 betrachtet, da hier vergleichbare Prüfungsbedingungen herrschten. Die Durchschnittsnote bewegte sich zwischen 2,29 und 2,65. Sehr gute Jahrgänge waren offensichtlich 1992/94, 2008/10 und 2005/07: Hier waren die Werte unserer Schüler klar besser als der bayerische Durchschnittswert. Gemittelt über alle Abiturienten des LGW der vergangenen 20 Jahre ergibt sich ein Wert von 2,46.
Für den einzelnen Abiturienten ist sein persönlicher Abiturschnitt von hervorgehobener Bedeutung, entscheidet doch dieser vielfach über die Zulassung zu bestimmten Studiengängen. Die Abiturdurchschnittsnote eines Abiturienten, unabhängig davon, ob sie gut oder weniger zufriedenstellend ausfiel, ist aber nicht entscheidend dafür, was man in seinem weiteren Leben erreicht. Die Abiturienten sollten den sozialen Umgang miteinander gelernt haben und sie sollten fähig sein, ihre Begabungen und Neigungen mittels erlernter Arbeitstechniken richtig einzusetzen. Neben der vertieften allgemeinen Bildung sollte die Studierfähigkeit gesichert sein.
Auch die Leistungskurse am LGW konnten mit herausragenden Ergebnissen aufwarten. In den vergangenen 30 Jahren (weiter reichen meine Unterlagen bzgl. der Durchschnittsnoten nicht zurück) wurden 221 Leistungskurse abgehalten. Nur 12 Kurse, die von den vier Kollegen Höng (6), Huber (4), Seitzl (1) und Siller (1) geleitet wurden, konnten einen Einserschnitt im Abitur erreichen:
| Fach |
Jahrgang |
Schnitt |
Schülerzahl |
|---|---|---|---|
| Mathematik |
2005/07 |
1,47 |
17 |
| Physik |
2007/09 |
1,50 |
12 |
| Physik |
1986/88 |
1,50 |
10 |
| Physik |
1999/01 |
1,76 |
15 |
| Physik |
2005/07 |
1,86 |
16 |
| Mathematik |
1979/81 |
1,87 |
10 |
| Latein |
2006/08 |
1,88 |
12 |
| Kunst |
2008/10 |
1,90 |
10 |
| Kunst |
2002/04 |
1,90 |
11 |
| Kunst |
1990/92 |
1,93 |
11 |
| Kunst |
1997/99 |
1,95 |
17 |
| Mathematik |
2002/04 |
1,96 |
19 |
In den 40 Jahren mit Kollegstufenabitur traten insgesamt 2738 Kollegiaten zur Abiturprüfung an. Das Zeugnis der Reife konnte 2700 Abiturienten ausgehändigt werden, 1793 Damen und 1303 Herren. Neben den 38 Kollegiaten/innen, die die Abiturprüfung nicht bestanden haben, verließen aus unterschiedlichen Gründen, in der 12. Jahrgangstufe oder in 13/1, weitere 147 Kollegiaten/innen die Schule.
Ich hoffe, dass unsere Abiturienten ein Bewusstsein für die obersten Bildungsziele, wie die Achtung vor der Würde des Menschen, die Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne, das Verantwortungsbewusstsein für die Natur und die Umwelt, das Bekenntnis zum Geiste der Demokratie, die Liebe zur bayerischen Heimat und das Bekenntnis zum Geiste der Völkerverständigung verinnerlicht haben. Die erhaltene Bildung sollte es ermöglichen, sich im vorhandenen Wissen der Welt zu orientieren und Informationen richtig auszuwählen. Denn nur so kann man selbstständig handeln, ohne in der Wissensflut und in den Scheinwelten des Informationsüberflusses zu versinken. Auf diese Weise können sich dann Fähigkeiten wie Eigenverantwortung, Urteilsvermögen und Kreativität entwickeln.
StD W. Höng (Kollegstufenbetreuer)