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2010 Jedermann

10. und 11. März 2010 im Theater Belacqua  

 

Leitung: Eva-Maria Schwarzfischer

 

 

 

und das Wort war bei Gott.” – Gott spricht zu Beginn des „Spiels vom Sterben des reichen Mannes” in der Tat ein Machtwort. Und so macht der Tod sich auf, den ungläubigen, den falschen Werten verfallenen Jedermann abzuholen und vor sein Jüngstes Gericht zu führen. Dieser kann sich eine kurze Gnadenfrist erbetteln und macht sich bereit, seinem Herrn gegenüberzutreten. Die Geschichte um Jedermann ist bekannt, wird das Stück doch seit 1920 alljährlich in Salzburg unter großem öffentlichen Interesse aufgeführt. In der Fassung, die die Teilnehmer des Profilfaches/Grundkurses Dramatisches Gestalten auf die Bühne im Theater Belacqua bringen, werden die Zuschauer den altbekannten Figuren und Allegorien begegnen. Und doch ist alles etwas anders. Denn bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, was Hofmannsthals Stück den jungen Menschen von heute noch bedeuten kann, wurden einige behutsame Eingriffe in den Text vorgenommen. Denn das Wort ist längst nicht mehr bei Gott und schon gar nicht mehr heilig. Durchaus mutig, aber niemals respektlos schufen die Kursteilnehmer somit ihre ganz eigene Version des Jedermann.

 

 

 

 

 

Der Vermieter, der eine alleinerziehende Mutter einfach auf die Straße setzt, um die Wohnung aus Eigenbedarf zu nutzen oder der Banker, der einem Kleinbetrieb den entscheidenden Kredit verweigert, weil es ein Risikogeschäft ist, den all zu Bedürftigen zu helfen – dies sind nur zwei bekannte Beispiele des ach so alltäglichen Aufeinandertreffens von zwischenmenschlichem Miteinander und individuellem Vorankommen. Was das jetzt mit dem „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal zu tun hat? Ganz einfach: Das 1911 von Hofmannsthal verfasste Stück lässt den ursprünglichen Einfluss der mittelalterlichen Kirche zugunsten des Allgemeinmenschlichen zurücktreten – Jedermann wird schuldig, weil er nicht bereit ist, eine höhere Ordnung anzuerkennen. Das Stück hat damit seit Beginn des 20. Jahrhunderts kontinuierlich an Aktualität und Bedeutung gewonnen, wie uns unsere globalisierte Welt mit ihrer Ellenbogengesellschaft anschaulich vor Augen führt. So wie uns heute fehlende Ideale, mangelndes Mitleid und zügelloses Gewinnstreben immer wieder an den Rand eines Zusammenbruchs führen, so wird der symbolisch für uns alle stehende Jedermann durch die Rückgewinnung des Glaubens an höhere Werte gerettet. Der Oberstufenkurs Dramatisches Gestalten hat sich gemeinsam mit Eva Schwarzfischer an die Umsetzung dieses zeitlosen Stoffes gewagt.

 

Das Stück beginnt damit, dass Gott die Menschen wieder an seine Macht erinnern will, indem er dem Tod aufträgt, Jedermann vor das göttliche Gericht zu berufen. In der Zwischenzeit ist Jedermann jedoch mit der Abwicklung eines Grundstückkaufs beschäftigt, im Zuge dessen er Schutzbedürftigen einmal mehr seine Hilfe verweigert, woran später auch die mahnenden Worte seiner Mutter nichts ändern. Doch anstatt es sich bei einem kurz darauf zu seinen Ehren veranstalteten Fest gut gehen zu lassen, fühlt er sich auf einmal schwach und krank. Eine ihm unbekannte Gestalt gibt sich dann als der Tod zu erkennen und fordert ihn auf, sich für seinen letzten Weg bereit zu machen. Innerhalb der Gnadenfrist von einer Stunde will er jemanden ausfindig machen, der ihn vor das göttliche Gericht begleitet. Als sich dazu nicht einmal sein Geld bereit erklärt, ist Jedermann völlig verzweifelt. Schließlich verspricht eine gebrechliche Frau – seine „guten Werke“ – ihm zu helfen. Da sie selbst aber durch langjährige Vernachlässigung zu schwach ist, wird ihre Schwester, „der Glaube“, dies übernehmen. Zum Schluss bleibt dem Teufel also nur der Verdruss darüber, dass ihm die schuldbeladene Seele Jedermanns durch Gottes Gnade in letzter Minute aus den Händen gerissen worden ist.

 

Dank der tollen schauspielerischen Leistung von Daniel Höfler (Q11) als Gott und Teufel, Luzy Ahlgren (K13) als Tod und Stefan Krötzinger (Q11) als Jedermann verfolgten die Zuschauer gespannt das Schicksal des Protagonisten. Die Aufführung gewann mit ihrer engen inhaltlichen Anlehnung an das Original zusätzlich an Intensität und Anschaulichkeit; moderne sprachliche wie dramaturgische Elemente lockerten wiederum auf und sorgten für einige Lacher. Mit einer klasse Vorstellung überzeugt haben auch Andreas Steer (Q11) als Schuldknecht und Jakob Rothmeier  (Q11) als Spielansager und Koch sowie die Buhlschaft, gespielt von Sarah Meinhold, Zoi Mashas, Alina Spensberger (Q11) und Tia Westermann (K13). Text und Regie übernahm Eva Schwarzfischer, bei letzterem assistiert von Stefan Zuschke. Abschließend gilt es auch dieses Jahr wieder ein herzliches Dankeschön an das Theater BELACQUA zu übermitteln, dessen Kooperation die insgesamt drei Aufführungen überhaupt ermöglicht hat, sowie an die Schulleitung, alle beteiligten Lehrkräfte – allen voran Eva Schwarzfischer – und die Nachwuchsschauspieler.

Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn