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2012 Shockheaded Büchner

Profilfach Theater

16. und 17. Januar 2012

 

Leitung: Eva-Maria Schwarzfischer

 

 

Wer bin ich und wenn ja wie viele? – Shockheaded Büchner ist die Produktion des Profilfachs Theater im Schuljahr 2011/2012. Daran nahmen 13 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11, zwei Schülerinnen und ein Schüler der Jahrgangsstufe 12 sowie aus organisatorischen Gründen ein Schüler der Jahrgangsstufe 8 und zwei Schüler der Jahrgangsstufe 10 teil, so dass wir auf eine Ensemblestärke von 20 kamen. Die Aufführungen fanden am Montag, 16. April, und Dienstag, 17. April, statt.

 

Die diesjährige Produktion des Profilfachs so nüchtern zu beschreiben, tut ihr Unrecht. Treffender sind da schon die einleitenden Worte des Presseberichts in der Wasserburger Zeitung vom 21. April: „Verrückt? Ja, im wahrsten Sinne des Wortes.” Dies sind wiederum Worte aus dem Stück selbst, einer Collage aus der Feder von Dr. Simone Merk. Darin werden Büchners Leonce und Lena und sein Woyzeck insofern kombiniert, als Leonce in einer psychiatrischen Klinik landet, nachdem er seine Freundin Marie mit einem Messer attackiert hat. Im weiteren Verlauf versucht der behandelnde Arzt herauszufinden, was Leonce dazu getrieben hat, wobei seine eigene Fassade schnell zu bröckeln beginnt. Er selbst ist nämlich instabil, seit seine Tochter Lena nach einer harmlosen Operation am Blinddarm durch die Narkose psychisch traumatisiert zurückblieb. Sie ist Dauerpatienten und Klinikgeheimnis. Leonce und Lena verlieben sich in einander und heiraten am Ende, wodurch sie von ihrem Leiden erlöst werden, während Dr. Hoffmann, der Psychiater, einen Zusammenbruch erlebt. Hinzu kommt, dass Leonce zunächst Stimmen in seinem Kopf hört. Diese Stimmen werden verkörpert durch verschiedene Märchenfiguren sowie Personen aus dem Struwwelpeter. Sie sind ebenfalls alle mit einem Leiden geschlagen und werden analog zu Leonce und Lena erlöst. Die Originalfassung wurde dabei moderat an die Bedürfnisse der Gruppe angepasst, die vor der eigentlichen Textarbeit in mehreren Improvisationssitzungen schon eigene Rollen entwickelt hatte.

 

Die spannenden Aspekte des Stücks waren für die Schüler die Umkehrung des Verhältnisses zwischen Arzt und Patient sowie die Diskussion der Frage, was überhaupt normal im Sinne von „der Norm entsprechend” zu nennen sei. Wichtig war es den Schülern, dass klar werden sollte, dass jeder unabhängig von seinen Makeln oder dessen, was in der Gesellschaft oft als „nicht normal” oder gar pathologisch stigmatisiert wird, seine Daseinsberechtigung hat beziehungsweise auf seine eigene Art und Weise schön und liebenswert ist.

 

Da dieses Stück zwar einerseits sehr textlastig ist, andererseits aber auch auf starke Körperlichkeit setzt, stand eben diese Körperarbeit stark im Vordergrund. Kostüm- und Bühnenbild ergaben sich aus der Rollenarbeit mehr oder weniger von selbst. 

 

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass bei dieser Produktion mehr als bei den vorhergehenden die Schülerbeteiligung, was viele Entscheidungsfindungen angeht, sehr hoch war. Man könnte fast von einer Demokratisierung des Theaterkurses sprechen, was aber durchaus auch Nachteile mit sich brachte. Nichtsdestotrotz waren die Aufführungen sehr erfolgreich und hätten wahrlich mehr Zuschauer verdient gehabt. 

 

Eva Schwarzfischer

 




Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn