Projekttag 2009
Thema Essstörungen
Seit 1985 ist die Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher um 50 Prozent gestiegen, adipöse Kinder gibt es sogar doppelt so viele. In absoluten Zahlen heißt das: 1,9 Millionen (15 Prozent) übergewichtige und 800.000 (6,3 Prozent) fettleibige Kinder leben heute in Deutschland.
Doch selten zeigt eine Ess-Störung so deutlich ihr Gesicht wie bei der Fettleibigkeit oder mit der Fachsprache „Binge-eating-Störung“. Meist erliegen junge Frauen dem Schlankheitswahn – und die Ess-Störung spielt sich im Verborgenen ab: junge Mädchen, die sich immer öfter vom Essen in der Gemeinschaft zurückziehen und so zunächst unbemerkt den vermeintlichen Sieg über ihren eigenen Körper erringen, bis ihr gefährliches Spiel irgendwann nicht mehr zu verbergen ist. Andere, die nach außen ein halbwegs normales Essverhalten an den Tag legen, dann aber das Gegessene heimlich wieder erbrechen oder Abführmittel zu sich nehmen.
Noch immer werden Ess-Störungen unterschätzt: Ess-Störungen sind kein „Schönheitsfehler“, es handelt sich um schwerwiegende psychische Störungen, die gravierende körperliche Schädigungen aller Organsysteme nach sich ziehen können – bis hin zum Tod. Nach neuesten Studien ist ca. ein Drittel der jungen Frauen zwischen 15 und 25 Jahren von einer Ess-Störung betroffen. In dramatisch zunehmendem Maße leiden aber auch Männer in unserer Gesellschaft an Ess-Störungen. Auch für Nichtbetroffene ist es sicher wichtig, Ess-Störungen zu verstehen, um sie im Ernstfall bei Angehörigen oder nahestehenden Personen rechtzeitig zu erkennen und richtig handeln zu können. Das Thema „Ess-Störungen“ geht uns also alle an. Aus diesem Grund hat das Luitpold-Gymnasium Wasserburg am vergangenen Mittwoch in der Jahrgangsstufe 11 einen Projekttag zum Thema Ess-Störungen durchgeführt.
Pia Friese, die Fachbetreuerin für Biologie, konnte für diesen Projekttag Therapeuten und Patientinnen des namhaften Therapie-Centrums für Ess-Störungen (TCE) in München nach Wasserburg holen, das seit vielen Jahren sehr erfolgreich junge Menschen auf dem Weg aus ihrer Ess-Störung begleitet. Die Psychologin und Leiterin der Präventionsarbeit am TCE Frau Gerhard klärte zunächst in einer Präsentation über Ursachen, Symptome, Langzeitfolgen und mögliche Therapieansätze auf. Danach kamen die Patientinnen selbst zu Wort. Es ist Teil der Therapie zu erlernen, mit der eigenen Erkrankung offen umzugehen. Und so kam eine Gesprächsrunde zwischen Schülern, Patientinnen und der Therapeutin zustande, die uns schonungslos die Hintergründe und Folgen der verschiedenen Ess-Störungen sowie die damit verbundenen Gefühle, Sorgen und Ängste der Patientinnen offenbarte.
Ein Dokumentarfilm zum Thema Magersucht und die in der Aula aufgebaute Wanderausstellung „Is(s) was?!“ der Landeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (LZGA) in Bayern ergänzten den Projekttag sowie unsere Vorstellung davon, was es bedeutet, an einer Ess-Störung erkrankt zu sein. Vielleicht mag der Projekttag für den einen oder anderen Schüler auch der Anstoß gewesen sein, mit der eigenen Erkrankung (oder der einer nahestehenden Person) offen umzugehen. Dann hätte er sich in besonderer Weise gelohnt.
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