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Sie befinden sich hier  STARTSEITE UNTERRICHT Deutsch 3. Projekte und Aktionen Exkursion nach Weimar

 

Exkursion nach Weimar

Eine Bildungsreise durch drei Jahrhunderte

6. - 9. Februar 2014

 

Eine Fahrt nach Weimar ist immer eine Tour der Extreme, gilt die Stadt in Thüringen doch als kulturelle Hochburg des 18. und frühen 19.Jahrhunderts und stellt sie zugleich durch die unmittelbare Nähe zur KZ-Gedächtnisstätte Buchenwald auch ein Sinnbild für das größte und barbarischste Menschheitsverbrechen dar.


„KL Buchenwald, Post Weimar” – so hieß das Konzentrationslager Mitte des 20. Jahrhunderts offiziell. KL Weimar wollte man es aufgrund des kulturellen Erbes der Stadt nicht nennen, eine Zuordnung zu einer anderen Gemeinde hätte aber zu Gehaltseinbußen der dort Beschäftigtengeführt. Bereits an diesem Beispiel lässt sich die Bürokratie des Terrors aufzeigen, die nüchterne Kälte, mit der die Judenverfolgung und -ermordung – auch wenn Buchenwald kein Vernichtungslager im eigentlichen Sinne war, gab es hier zahlreiche Opfer.– durchgeführt wurde, aufzeigen. Zu welchen Grausamkeiten diese Systematik und Kälte führten, welche Perversionen sie zutage förderte, ging unter dem Stichwort Lampenschirm in die traurige Geschichte Buchenwalds ein. So verwundert es nicht, dass die Besichtigung des Lagers am Freitagnachmittag bei allen Teilnehmern der Weimar-Fahrt für spürbar gedämpfte Stimmung sorgte. Die Busfahrt zurück in die Stadt war geprägt von dieser Ruhe.

 

Wesentlich frivoler und jovialer ging es dagegen am Vormittag des ersten Exkursionstages zu: In der Aufführung der Faust-Inszenierung unter der Leitung von Hasko Weber, seines Zeichens neuer Intendant des Weimarer Nationaltheaters, lag die „die Betonung stark auf ausgestellter, komödiantischer Theatralik. Dem Erwartungsdruck hält Weber mit schöner Inszenierungslockerheit und einer überzeugenden dramaturgischen Konzeption stand.” So Hartmut Krug auf www.nachtkritik.de. Die besagte Lockerheit mündete mitunter in Slapstick-Komik bis hin zu derben Anspielungen auf wilden Sex zwischen Mephisto und Marthe. Durchaus zeigten sich bei den Schülerinnen und Schülern bei den verschiedenen Nachbesprechungen Ressentiments gegen diese wenig subtile Art der Bebilderung. Dennoch gab es sicherlich für die meisten den einen oder anderen erhellenden Moment, der einen neuen Blickwinkel auf den überwiegend nur als Reclam-Heft bekannten Texteröffnete. Es gibt vermutlich keinen angemesseneren Ort, um sich eine Faust-Inszenierung anzusehen, als das Nationaltheater in Weimar, das Goethe selbst mehrere Jahre leitete und wo er gemeinsam mit Schillerwirkte.

 

Beim Verlassen des geschichtsträchtigen Gebäudes konnten wir feststellen, dass das Goethe-Schiller-Denkmal, das den Theaterplatzsehr deutlich für sich einnimmt, mit Transparenten gegen Nazis geschmückt worden war. Bereits im Vorfeld der Aufführung war verkündetworden, dass es am folgenden Tag einen Neonazi-Aufmarsch in Weimargeben würde, der durch eine Gegendemo möglichst verhindert werden sollte. An dieser Gegendemo nahmen auch einige der Schülerinnen und Schüler aus Wasserburg teil. Ob ihnen allein die Lorbeeren dafür gebühren, dass der Aufmarsch innerhalb kürzester Zeit gestoppt werden konnte, ist bis heute nicht geklärt. Jedenfalls verzichteten einige zugunsten dieses politischen Engagements auf die Besichtigung der Fürstengruft, in der Goethes und Schillers Särge friedlich nebeneinander stehen.

 

Es ist wohl verständlich, dass gerade junge,politisch interessierte Menschen die Betrachtung zweier Särge in einerGruft für weniger relevant halten als den aktiven Einsatz gegen rechtsextreme Gesinnung. Die Zeitplanung erlaubte es dennoch, dass die Besichtigung des Goethe- und Schillerhauses für alle möglich war, wobei sich hinterher herausstellte, dass es unter den jeweiligenExpertinnen, die durch die Ausstellungen und Gebäude führten, erhebliche Unterschiede in den Sympathien für die beidenSchriftsteller gab. Wer den Schiller-Fan erwischt hatte, konnte indessen ehemaligem Wohnzimmer eine Strophe aus der Ode an die Freudemitsingen, während für die Gruppe der Goethe-Anhängerin der Schwerpunkt mehr auf dem Prachtbau am Frauenplan lag. Genügend Zeit, um sich über die unterschiedlichen Inhalte auszutauschen, blieb amNachmittag des zweiten Tages, wobei allerdings einige der Schülerinnenund Schüler wenig mit sich anzufangen wussten, so dass erste Phasenvon Heimweh aufkamen.

 

Schenkt man den einzelnen Stimmen der Jugendlichen Glauben, so hat sich die Weimar-Fahrt für alle Beteiligten gelohnt, nicht nur, was die verschiedenen, teils sehr weit divergierenden Inhalte betrifft, sondern auch hinsichtlich des Gemeinschaftsgefühls, das in der Oberstufe durch das Kurssystem nicht immer so schnell zustande kommt. Es wäre schön, wenn es trotz aller organisatorischen Unwägbarkeitenfür viele Schüler möglich gemacht werden könnte, Literatur, Geschichteund Kultur allgemein so lebendig zu erfahren, wie dies in Weimar aufSchritt und Tritt geschieht.

















Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn