Druckansicht
Startseite
Sitemap
Impressum
Zurück zur Startseite
blank
Sie befinden sich hier  STARTSEITE UNTERRICHT Geschichte 3. Aktionen Zeitzeugenvortrag

Zeitzeugenvortrag

"Ich komme als Zeuge der Zeit, nicht als Richter oder Ankläger"

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer am Luitpold-Gymnasium

 

 

Am 25. April 2012 war der 92-jährige Max Mannheimer zu Gast am Luitpold-Gymnasium, um dort vor 350 Schülern über seine Erinnerungen zu berichten: Der in Mähren aufgewachsene Mannheimer geriet nach der Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich 1938 in den Einflussbereich der diskriminierenden, antisemitischen NS-Politik. Nach der Reichspogromnacht entging er nur durch eine falsche Altersangabe der Verhaftung. Die Familie musste nach Tschechien fliehen, wo sie jedoch 1939 erneut von der NS-Besatzung eingeholt wurde. Als "Jude" durfte Mannheimer fortan nur noch manuelle Tätigkeiten verrichten und arbeitete im Straßenbau.

 

Als der Zeitzeuge nun über die Deportation der Familie 1943 ins KZ Theresienstadt und weiter nach Auschwitz berichtet, herrscht in der voll besetzten Aula des Gymnasiums beklommene Stille. Bei der "Selektion" durch einen SS-Arzt auf der Rampe wurden der 23-Jährige und seine beiden Brüder als "arbeitsfähig" bezeichnet. Über das Schicksal der anderen, unter denen die Eltern und die Schwester waren, klärte ihn ein Funktionshäftling auf: "Die gehen durch den Kamin." An dieser Stelle des Vortrags öffnet Max Mannheimer den Hemdsärmel, um seine eintätowierte Häftlingsnummer zu zeigen. Als der von Lagerterror, Schwerstarbeit, Hunger und Krankheit Geplagte erwog, den Freitod am Hochspannungszaun des Lagers zu suchen, hielt ihn die Frage seines 17-jährigen Bruders Edgar zurück: "Willst du mich alleine lassen?" Der andere Bruder Ernst war nämlich bereits nach einer schweren Erkrankung ermordet worden.

 

Hier beendet der Überlebende seinen Bericht, um sich den Fragen der Schüler zu stellen: Warum er nach dem Krieg in Deutschland geblieben sei? Obwohl er deutschen Boden nie wieder habe betreten wollen, habe er sich 1945 in seiner Heimat in eine Deutsche verliebt. Diese habe ihn von den Chancen der Demokratie in Deutschland überzeugt, so dass er mit ihr dorthin zurückgekehrt sei. Wie er es geschafft habe, das Erlebte nach 1945 zu verarbeiten? Er habe gemalt und nach dem Krebstod seiner Ehefrau seine Lebensgeschichte aufgeschrieben. Später habe er mit Vorträgen in Schulen begonnen und seitdem empfinde er "das Sprechen vor Schülern als Therapie". Er habe es sich zur Aufgabe gemacht, junge Leute für die Demokratie zu gewinnen.

 

Max Mannheimer wurde u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Bayerischen Verdienstorden, der Bayerischen Verfassungsmedaille und der Ehrendoktorwürde der Ludwig-Maximilians-Universität München ausgezeichnet. Demnächst wird er den Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft erhalten.

 

Gerhard Widmann









Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn