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Geschichtsstunde der anderen Art

"Das eigene Gewissen steht über dem Gesetz des Landes."

DDR-Widerstandskämpfer Wolfgang Welsch am Luitpold-Gymnasium 

 

17. Juni 2013

 

 

 

Am 60. Jahrestag der Niederschlagung des DDR-Volksaufstandes durch sowjetische Panzer hatten 250 Schüler des Luitpold-Gymnasiums eine besondere "Geschichtsstunde": Wolfgang Welsch sprach über Widerstand in der DDR. Der in einem christlichen Elternhaus Aufgewachsene empfand die DDR als "Gefängnis", in dem eigenständiges Denken verfolgt wurde.

 

Wegen eines gescheiterten Fluchtversuchs geriet der 20-Jährige 1964 in Stasi-Untersuchungshaft. Was er hier erleiden musste, entlarvt die scheinbar so friedliche "sozialistische Menschengemeinschaft" des Arbeiter- und Bauernstaates als brutale Gewaltherrschaft: An ein Türgitter gefesselt wurde er bewusstlos geschlagen oder nachts zu einer inszenierten Scheinhinrichtung abgeholt. In der völligen Isolation der Haft entwickelte er Überlebensstrategien. Aus einem Knopf stellte er ein Schreibwerkzeug her, um auf abgetrennten Zeitungsrändern Tagebücher, ein Schauspiel und Aufrufe an die Öffentlichkeit im Westen zu verfassen. Seiner Mutter gelang es später bei den seltenen Besuchen, die winzigen Kassiber aus dem Gefängnis zu schmuggeln. Dadurch wurde Welsch schließlich nach sieben Jahren als politischer Häftling vom Westen freigekauft. Hier begann er sofort damit, anderen DDR-Dissidenten diskret zur Flucht zu verhelfen. Dabei war er so erfolgreich, dass ihn die Stasi zum "Staatsfeind Nr. 1" erklärte und durch ihre Agenten im Westen töten lassen wollte. Drei Attentate überlebten Welsch und seine Familie nur mit großem Glück.

 

Heute spricht Wolfgang Welsch vor jungen Menschen in Schulen, die beim Zusammenbruch des Unrechtsstaates DDR noch gar nicht geboren waren, und legt ihnen die Worte Sophie Scholls ans Herz: "Das eigene Gewissen steht über dem Gesetz des Landes." Seinen authentischen und bewegenden Vortrag beendete Welsch mit Bildern von der Maueröffnung zu Marius Müller-Westernhagens Wiedervereinigungssong: "Freiheit ist das einzige, was zählt".

 

Gerhard Widmann









Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn