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Zeitzeugenvortrag

"Hitler kam in die Hölle – ich wurde wiedergeboren"

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer am Luitpold-Gymnasium

 

 

 

"Es ist ein Geschenk, dass ich mit 95 Jahren noch hier sein kann." Mit diesen Worten begrüßte der Holocaust-Überlebende Dr. Max Mannheimer die Schüler der 10. und 11. Jahrgangsstufe am 20. Mai 2015 in der Aula des Luitpold-Gymnasiums. Das Publikum lauschte gebannt den Erzählungen des Zeitzeugen: Nach der Angliederung seiner böhmischen Heimat an NS-Deutschland im Oktober 1938 war seine jüdische Familie Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Während des Novemberpogroms wurde sein Vater vorübergehend verhaftet. Anschließend musste die Familie das Sudetenland verlassen und floh in den noch freien Teil der Tschechoslowakei. Bereits kurze Zeit später geriet auch dieser Zufluchtsort in den Machtbereich der Nationalsozialisten, da Tschechien von der Wehrmacht besetzt wurde. Als Straßenbauarbeiter musste Mannheimer an den Vorbereitungen für den Überfall auf Polen mitwirken. Über das Ghetto Theresienstadt wurde Mannheimers gesamte Familie Anfang 1943 nach Auschwitz deportiert und dort nach der Ankunft an der Rampe getrennt. Ein Mithäftling klärte Max Mannheimer über das Schicksal der Alten, Frauen und Kinder auf: "Die gehen durch den Kamin." Beim Zählappell im Arbeitslager erwog er, am Hochspannungszaun Selbstmord zu begehen. Sein jüngerer Bruder Edgar hielt ihn davon ab mit der Frage: "Willst du mich allein lassen?" Die Brüder überstanden die brutale Zwangsarbeit, die Prügel der als Kapos eingesetzten Kriminellen, den grausamen Hunger, die Verletzungen und Krankheiten. Über die Konzentrationslager Warschau und Dachau wurden sie zuletzt in ein Außenkommando bei Mühldorf verschleppt. Hier sollten sie Produktionshallen für Kampfflugzeuge errichten. Am 30. April 1945 wurde der typhuskranke Max Mannheimer auf einem Evakuierungstransport in der Nähe von Tutzing durch die Amerikaner befreit. Von einem Schüler nach seinen Gefühlen hierbei befragt, antwortete Mannheimer: "Hitler ging in die Hölle, ich wurde wiedergeboren." Nie mehr wollte er nach seiner Genesung deutschen Boden betreten. Doch 1946 verliebte er sich in eine sozialdemokratische Widerstandskämpferin, die ihn überzeugen konnte, dass die Demokratie in Deutschland ausgezeichnete Chancen haben werde. Um junge Menschen von heute zum Einsatz für diese Demokratie anzuspornen, besucht Mannheimer seit fast 30 Jahren Schulen. "Denn nur wenn wir die Erinnerung wachhalten, immunisieren wir uns gegen Wiederholung", so Schulleiter Peter Rink in seinen einleitenden Worten. Die breiten Proteste gegen Auftritte von Extremisten und Rassisten in jüngster Zeit geben Max Mannheimer Hoffnung, dass dies nicht vergebens sein wird.

 

Gerhard Widmann













Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn