Druckansicht
Startseite
Sitemap
Impressum
Zurück zur Startseite
blank
Sie befinden sich hier  STARTSEITE UNTERRICHT Kunst Zeichensaal 2 Seminar 2010-2012: Lehmarchitektur Information

 

 

Information

 

Gedanken zu unserem Lehmbauprojekt

Lehm – dass man aus diesem altertümlichen Baustoff gar ein modernes Bauwerk formen kann, dachte auch das Projektseminar „Lehmbau“ unter der Leitung von Frau Marianne Huber nicht. Ganze sieben Tage wurde geschaufelt, gestampft und genagelt bis am Ende ein durchaus ansehnliches Gebilde entstand. Die Projekseminargruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht ein Lehmhaus im Park der Ovenbeck Villa zu konzipieren. Sehr viel körperliche Arbeit mussten die Teilnehmer zusammen mit der fachmännischen Unterstützung zahlreicher Firmen aus Wasserburg und Umgebung investieren. Denn Lehm ist zwar ein günstiger Baustoff, doch benötigt es viel Zeit, Wissen und Kraft, diesen zu verarbeiten. Zunächst wurde die Schalung zusammengebaut, um anschließend den Lehm darin zu rütteln und zu stampfen. Als die Lehmwände bereits ausreichend gefestigt waren, folgte das Aufsetzen eines Holzdaches. Schließlich wurde der Untergrund noch mit Mineralbeton aufgefüllt.

 

Mit diesem Bauwerk wollte das Seminar beweisen, dass alternatives Bauen auch in heutiger Zeit und in unseren Breiten möglich ist. Neben seiner natürlichen Beschaffenheit bietet das Baumaterial wesentliche weitere Vorteile gegenüber anderen Baustoffen. Lehm ist besonders gesundheitsverträglich, da er die Luftfeuchtigkeit in Räumen konstant hält, sodass Erkältungskrankheiten und auch Allergien vorgebeugt werden kann. Auch schirmt eine Lehmwand hochfrequente Strahlungen, sogar auch Radioaktivität, ab. Einen weiteren ökologischen Vorteil erkannten wir darin, dass Lehm in seiner rohesten Form verwendet werden kann. So wird das hochtemperierte Brennen, wie man es normalerweise von Ziegelsteinen kennt, umgangen und dadurch eine enorme Energiemenge eingespart. Der Schritt in eine klimaneutrale Zukunft ist also diese Variation des Bauens. Die Formgebung des Lehmwerks, das neuerdings den Schulgarten des Gymnasiums ziert, ist nicht willkürlich gewählt. Zwei im rechten Winkel angeordnete und nach außen an Höhe zunehmende Wände vermitteln in ihrer Offenheit ein einladendes Gefühl. So wird der für jeden zugänglichen Einrichtung der Schule ein Ebenbild geschaffen. Wer sich in diesem offenen Raum aufhält, verspürt eine zentrierende Ruhe und energiespendendes Wohlempfinden.

 

Für die Besucher sollte ein Denkwerk entstehen. Ganz bewusst beließ man den Lehm in seiner natürlichen Erdfarbe, um die Oberflächenästhetik und damit auf die Verschiedenheit zu anderen Wänden aufmerksam zu machen. Die Andersartigkeit dieser „Denkstätte“ soll genau darauf hinführen: Zum Umdenken. Wenn man diese Idee des Umdenkens etwas weiterspinnt, so lässt sich auch in der Form des rechten Winkels eine Absicht erkennen. Hiermit soll das Ums-Eck-Denken symbolisiert werden, welches die Schülerinnen und Schüler während der Planungs- und Bauphase begleitete. Es war ein andauerndes Suchen nach zeitgemäßen Alternativlösungen in der Baukunst, welche sich letztendlich auch als umsetzbar erwiesen.

 

Einige interessante Erfahrungen wurden auch außerhalb des Schulgeländes gemacht. So zum Beispiel bei unserem Besuch im Holz-Lehm Haus der alternativen Architektin Monika Abendstein, welche uns einen aufschlussreichen Vortrag über ihr Fachgebiet darbot und desweiteren auch sehr nett bewirtete. Ihr Haus steht im Inntal/Tirol und ist auf zwei Stelzen an einen senkrechten Felsen montiert. Eine weitere weiterbildende Veranstaltung war der Besuch Anna Pia Rauchs. Die Kunstpädagogikstudentin aus Wien reiste extra für einen Vortrag vor dem P-Seminar an, um die Schüler über die Lehmbauprojekte ihres bedeutenden Vaters Martin Rauch zu informieren. So klärte sie uns auch über die vielfältigen Methoden auf, mit welchen Lehm bearbeitet werden kann.

 

Das Lehmbauwerk im Park der historischen Ovenbeckvilla konnte natürlich nicht ohne Hilfe externer Partner entstehen. Große Unterstützung und immer einen kreativen Ratschlag bot der „Projektpate“ des Seminars, Architekt Eugen Maron aus Schnaitsee, der den Schülern den Zugang zu den Fachleuten aus der Umgebung wesentlich erleichterte. So entstand die wertvolle Verbindung zu dem Wasserburger Lehmbauer Hermann Gärtner, welcher wichtiges Werkzeug darbot und mit seinem fundamentalen Wissen und großer Erfahrung die Arbeit an der Baustelle im Wesentlichen projektierte und leitete. Auch organisierte er den Baustoff von der Spezialfirma Claytec und erklärte uns mit großer Geduld die Einsatzweisen der Werkzeuge. Ein weiterer Wasserburger Geschäftsmann, Martin Gütter, welcher auch einen Betrieb für Naturbaustoffe in der Innenstadt besitzt, finanzierte den Transport des Materials aus Viersen am Niederrhein nach Wasserburg zu unserem Gymnasium. Aber auch ohne eine großzügige Spende der Spardabank Wasserburg wäre die Finanzierung des Projektes undenkbar gewesen. Damit das Lehmhaus aufsteigendes Wasser geschützt ist, wurde ein Betonfundament benötigt. Die dafür benötigten Steine stammten von der Firma für Baustoffe, Freiberger, aus Edling. Die Baggerarbeiten leistete die Firma Kerstens aus Amerang. Das zugerichtete Material für das Holzdach wurde von der Holzbaufirma Huber & Sohn aus Bachmehring zur Verfügung gestellt und von der Zimmerei Lindauer aus Griesstätt in Form gebracht. Als Wetterschutz wurde schließlich ein Kupferbeschlag von der Firma Göpfert montiert.

 

Das aufwendige Schulprojekt stieß auch beim Landratsamt Rosenheim auf großes Interesse. Herr Lorenz vom Gartenfachreferat setzte sich dafür ein, dass das neue Bauwerk im Schulgarten als vervollständigende Ergänzung auch noch eine fachmännisch errichtete, auf das Bauwerk abgestimmte Lehmbank bekam. Des Weiteren soll das Gebäude in die geplante Parkgestaltung durch Anbindung an ein Wegesystem einbezogen werden. Ein anspruchsvolles Projekt hat nun seine Vollendung gefunden. Die Seminarzeit war ein reiches Übungsfeld für uns, Einblicke in Studiengänge, Berufsfelder und Spezialgebiete zu gewinnen. In der Planung und Projektierung im Team konnten reiche Erfahrungen gesammelt werden und neue, bisher weniger trainierte Techniken und Methoden erprobt werden. Unser Lehmbauwerk im Schulgarten wird davon über längere Zeit Kunde tragen.

 

Theresa Froschmayer und Fritz Seebauer

Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn