Sie befinden sich hier: Home   Unterricht   Mathematik   6. Aktionen   Fahrzeugelektronik  

Fahrzeugelektronik 

Ein Praxisorientiertes Studium an der Berufsakademie Ravensburg

Dr. Konrad Reif
Prof. für Fahrzeugelektronik an der Berufsakademie Ravensburg

Ein weiterer ehemaliger Schüler, der große Karriere machte, ist Konrad Reif vom Abiturjahrgang 1986. Professor Reif lehrt Fahrzeugelektronik und Mechatronik an der Berufsakademie in Ravensburg. Gerade dieser Vortrag über Autoelektronik und über die in Bayern unbekannte Hochschulform Berufsakademie waren recht gefragt, so dass der große Musiksaal wieder einmal fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Besonders viele Schüler der Oberstufe hatten sich anlocken lassen - trotz des "Feiertags", den der Abgabetermin der Facharbeiten inzwischen für die Abiturienten zu bedeuten scheint.

Zunächst präsentierte Prof. Reif sein Fachgebiet Autoelektronik an Hand einiger Beispiele aus der Motorsteuerung mit Bildern und Videoclips. Zündzeitpunkt, Ventilbewegung und Einspritzvorgang werden elektronisch organisiert. Viele ürsprünglich mechanische Elemente lassen sich durch Elektronik stark vereinfachen oder weden gar überflüssig. So gibt es heute schon Motormodelle, die ganz ohne die bisher unverzichtbare Nockenwelle auskommen. Dem staunenden Publikum erläuterte Reif, woran der Experte so einen Motor deutlich am Klang erkennt. Auch die Produktion etwa wird heute effektiv elektronisch gesteuert.

Produktionsabläufe mit der ungeheuren Vielfalt an wahlweisen Zusammensetzungen werden so erst durchführbar. Ein einziger Fahrzeugtyp kann heute bei allen Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten allein 2000 verschiedene Türmodelle haben. Das ist im Werk nur dadurch machbar, dass im Gegensatz zur Massenproduktion die Pro- duktion schon beim Zulieferer parallel gesteuert wird, damit das Zulieferprodukt ohne Lagerhaltung "just in sequence" in die Montage eingeführt werden kann.

Die Berufsakademie ist eine spezielle Hochschulform des Bundeslandes Baden- Württemberg. Die Studenten in Ravensburg werden in Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften nach einem dualen System ausgebildet. Der Student erhält den Ausbildungsvertrag vom Industriebetrieb, der ihn auf die Akademie schickt und das Studium finanziert. In abwechselnden Betriebs- und Akademiephasen erfolgen betriebspraktischer und theoretischer Teil der Ausbildung. Spezialisten aus der Industrie treten auch als Gastdozenten in der Akademie auf. Aufgrund der durchdachten Organisation kann das Diplom (Dipl.Ing./BA) bereits nach 3 Jahren erreicht werden, wobei weniger als 5% der Studenten scheitern.

Attraktiv für kommende Studenten ist auch die finanzielle Seite: Die Unterstützung durch die Betriebe übersteigt deutlich die Lehrlingsgehälter. Dabei muss man sich nicht einmal auf Langzeitverträge einlassen. Die Ausbildungsbedingungen sind überhaupt ideal, weil genügend Arbeitsplätze da sind und in kleinen Gruppen gearbeitet werden kann. Für weitere Information sei auf die Internetadresse www.ba-ravensburg.de verwiesen.

Viele interessierte Fragen zu Studiengängen und Akademiebetrieb musste Konrad Reif anschließend dem aufmerksamen Publikum beantworten. Dabei erfuhr man auch die Stationen seiner eigenen Karriere: Abitur in Wasserburg (Leistungskurse Mathematik und Physik, was sonst?), dann Studium der Elektrotechnik in Regensburg und Erlangen. Danach war er einige Jahre bei BMW in München in der Antriebsentwicklung tätig. Nebenbei stellte er auch die Attraktivität eines technischen Studiums im Zusammenhang mit sicheren Arbeitsplätzen, guten Verdienstmöglichkeiten und sonstigen interessanten Berufsperspektiven heraus und betonte den Wert einer guten schulischen Grundbildung. Leistungskurse in Mathematik und Physik bieten beste Grundlagen, was große Genugtuung unter den anwesenden Lehrern hervorrief (Kunststück!!). Auch gute Englischkenntnisse sind äußerst hilfreich.

Von seiner Schulzeit erinnert sich Reif noch besonders ans Schilager und im Negativen an die Mühen des Fahrschülerdaseins. Am Ende der Veranstaltung waren wir uns einig, dass das LGW im Zusammenhang mit der 125-Jahr-Feier wieder einmal ein interessantes Ereignis aus sich heraus bieten konnte. Selbstredend, dass Reifs anwesende Klassenkameraden und Lehrer den Abend mit Erinnerungen und einem guten Schluck ausklingen ließen.

O. Höchstetter

Luitpold-Gymnasium Wasserburg am Inn