
Fairness ist wichtig – nicht nur auf dem Rasen!
11.07.2026
Der Workshop „Der Ball – eine runde Sache?“ geht in die dritte Runde
Mitte Juni 2026 war gerade die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko in vollem Gange. Erstmals in der Geschichte des Turniers traten 48 Mannschaften gegeneinander an. Bei der Fülle an Weltstars, die sich auf dem Rasen tummelten, vergaß man vielleicht das ein oder andere Mal den heimlichen Star der Fußball-Weltmeisterschaft, ohne den nichts geht: den Ball. Doch wo werden die Bälle für ein solches Turnier eigentlich hergestellt? Und unter welchen Bedingungen arbeiten die Menschen, die für die Produktion des runden Spielgeräts verantwortlich sind? Ist die Herstellung des Balles wirklich „eine runde Sache“?
Diesen und weiteren Fragen gingen die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Workshops zu fairer Produktion und fairem Handel nach, der von Frau Kammerl, Herrn Bauer und Herrn Gillmeier vom Wasserburger Weltladen angeboten wurde und, eingebettet in den Geographieunterricht, mittlerweile im dritten Schuljahr in Folge für die 5. Jahrgangsstufe des LGW stattfand. Und so fanden sich, beladen mit allerlei Material, die drei Mitarbeiter/-innen des Weltladens am 17. und 18. Juni am LGW ein, um die Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen jeweils innerhalb einer Doppelstunde für die Problematik der Ausbeutung von Arbeitskräften in sogenannten Billiglohnländern zu sensibilisieren und ihnen aufzuzeigen, wie sie selbst zur Lösung dieser menschenverachtenden Praktiken beitragen können.
Die Schülerinnen und Schüler erfuhren zunächst, dass etwa 70 Prozent aller Fußbälle in Sialkot in Pakistan hergestellt werden. Nachdem Pakistan auf einer Karte verortet wurde (sehr zur Freude der jeweils anwesenden Geographie-Lehrkräfte), wurde den Kindern mittels eines Films der scharfe Kontrast zwischen der Herstellung von Fairtrade-Bällen und „herkömmlichen“ Bällen vor Augen geführt. Dabei waren die Klassen sichtlich bewegt, als sie erfuhren, dass Arbeiterinnen für jeden Fußball, den sie in stundenlanger, mühsamer Arbeit in dunklen Hinterhöfen per Hand zusammennähen, nur etwa 45 Cent erhalten, dass oft einfachste Schutzmaßnahmen wie etwa gekennzeichnete Notausgänge fehlen und dass auch Kinderarbeit in dieser Branche keine Seltenheit ist.
Anschließend durften die Lernenden an drei unterschiedlichen Stationen selbst aktiv werden. So konnten Sie an einer Station persönliche Berichte von Arbeitskräften aus Pakistan auswerten und an einer weiteren ein Quiz zur Ballproduktion lösen und Bilder mit Produktionsschritten in die richtige Reihenfolge bringen. Am beeindruckendsten jedoch war für die Schülerinnen und Schüler die Station, an der sie mit den traditionellen Werkzeugen zwei Waben einer Fußball-Außenhaut per Hand zusammennähen konnten und auf diese Weise am eigenen Leib erfuhren, wie anstrengend und zeitaufwändig diese Arbeit ist.
Im Anschluss wurde den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, beim Einkauf von Produkten auf verschiedene Siegel für fairen Handel zu achten und so einen Beitrag zur Bekämpfung von Ausbeutung zu leisten, aufgezeigt. In diesem Zusammenhang durften die Lernenden auch in einer Runde „Wer wird Millionär“ gemeinsam verschiedene Fragen zum Thema ‚Fairer Handel‘ beantworten – ein sehr motivierendes Quiz, bei dem die Klassen zunächst eifrig über die richtige Antwort diskutierten, dann jeweils über die richtige Antwort abstimmten und sich schließlich, als sie den Höchstwert von einer Million Punkten erreichten, stolz auf die Schultern klopfen. Zum Abschluss des Workshops wurden den Schülerinnen und Schülern noch verschiedene Produkte angeboten, die fair produziert und gehandelt wurden, und bei denen beherzt zugegriffen wurde.
Und so möchte ich auch in diesem Schuljahr wieder meinen Dank an Frau Kammerl, Herrn Bauer und Herrn Gillmeier vom Wasserburger Weltladen aussprechen für diesen erneut sehr motivierenden, abwechslungsreichen und rundum gelungenen Workshop, dessen Thematik in unserer globalisierten Welt und vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt hat. Denn, wie Frau Kammerl auch eindrucksvoll erklärte: Auf der einen Seite diskutieren Industrieländer über verschiedene Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Geflüchtete einwandern; auf der anderen Seite sind Industrieländer durch das Konsumverhalten, das Ausbeutung unterstützt, zu einem großen Teil verantwortlich dafür, dass sich Menschen aufgrund der Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern überhaupt erst auf den Weg machen. Umso wichtiger ist es daher, dass unsere Schülerinnen und Schüler lernen, ihr eigenes Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen und ihren Beitrag zu mehr Fairness bei Produktion und Handel zu leisten.
Harald Filipp

