DDR-Zeitzeuge Thomas Raufeisen zu Gast

24.07.2026

Am 10. Juli kam Thomas Raufeisen ans LGW. Vor den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 10 und 12 erzählte er von seiner Zeit als Jugendlicher und junger Erwachsener in der Bundesrepublik und in der DDR.

Raufeisen wurde in der Bundesrepublik geboren und wuchs dort auf. Eines Tages wurde die Familie von seinem Vater, der für die DDR spioniert hatte, über die Grenze gebracht. Der Jugendliche besuchte eine neue Schule, erlebte dort einen Alltag mit militärischen Formen und ideologisch geprägtem Unterricht. Nach kurzer Zeit verließ er die Erweiterte Oberschule, begann eine Ausbildung und wollte zurück in die Bundesrepublik. Mit seinen Eltern – der Vater hatte sich inzwischen von der DDR abgewandt – versuchte er zunächst über eine Botschaft der Bundesrepublik und später mit Hilfe der CIA auszureisen. Daraufhin wurden sie festgenommen, verurteilt und inhaftiert. Raufeisen saß drei Jahre wegen „Vorbereitung eines ungesetzlichen Grenzübertritts“ und „landesverräterischer Agententätigkeit“ in Haft. Kurz nach seiner Entlassung durfte er in die Bundesrepublik ausreisen, wo er sein Abitur nachholte und studierte.

Raufeisen lernte die DDR aus extrem unterschiedlichen Blickwinkeln kennen. Zunächst kannte er sie nur als Junge aus der Bundesrepublik, der manchmal seine Großeltern im anderen deutschen Staat besuchte. Als er in die DDR gebracht wurde, war er zunächst als Sohn eines „Botschafters des Friedens“ privilegiert. Nachdem er aber versucht hatte auszureisen, wurde er in Hohenschönhausen misshandelt und inhaftiert. Später stellte sich heraus, dass das Urteil gegen ihn schon vor dem Prozess vom Minister für Staatssicherheit Mielke unterschrieben worden war. Raufeisen und seine Familie litten unter der Diktatur, sein Vater starb unter unklaren Umständen in Haft. 

Der Besuch von Thomas Raufeisen war Teil der Auseinandersetzung mit der Geschichte der DDR in den Jahrgangsstufen 10 und 12 und bereicherte den Unterricht um eine beeindruckende Perspektive. Der Zeitzeuge erzählte seine dramatische Geschichte anschaulich und las Passagen aus seinem Buch vor. Er sprach unaufgeregt und persönlich. Die Schülerinnen und Schüler hörten ihm sehr aufmerksam zu und stellten interessiert Fragen. 

Wir danken der Luitpoldiana Studiengemeinschaft dafür, dass sie den Zeitzeugenbesuch in dieser Form ermöglicht hat.

Franz Quirin Meyer