
Schüleraustausch mit Thann im Elsass
06.05.2026
Zum zweiten Mal fand in diesem Jahr unser Schüleraustausch für die 10. Klassen mit Thann im Elsass statt. Es ist gar nicht so einfach, in zwei verschiedenen Schulsystemen und Terminkalendern zwei freie Wochen für Besuch und Gegenbesuch zu finden! Den Anfang – und damit den spannenderen Schritt in eine fremde Familie – machten heuer 26 französische Schülerinnen und Schüler einer Seconde (das entspricht unserer 10. Klasse) im „Eurozweig“ mit Schwerpunkt auf deutscher Sprache und Kultur.
Der Wetterbericht für die erste Februarwoche versprach zwar recht winterliches Wetter, dafür war der Empfang in Wasserburg umso herzlicher. Nachdem in aufregenden Momenten alle ihre Austauschpartner gefunden hatten und endlich live kennenlernen durften, gab es in der Aula unseres Gymnasiums ein reichhaltiges Büffet, das von den deutschen Familien vorbereitet und dankenswerterweise von der Luitpoldiana unterstützt wurde. Spätestens nach dem großartigen Auftritt der Wasserburger Stadtgarde war das Eis gebrochen und die französischen Gäste waren mittendrin im bayerischen Faschingsendspurt, dem sie in dieser Woche noch öfter begegnen würden.
Am Wochenende fanden zum Teil in der Gruppe, zum Teil in Familien Ausflüge nach München und nach Herrenchiemsee statt.
Die Schulwoche begann traditionell mit einer Schulhausführung und einem Empfang im Rathaus. Weitere Programmpunkte während der Woche waren ein gemeinsamer Ausflug zu einer Brauereibesichtigung in Traunstein, ins Salzbergwerk in Berchtesgaden sowie ein Stadtrundgang in Wasserburg. An zwei Vormittagen begleiteten die französischen Gäste ihre Partner in den Unterricht.

Mit der Abfahrt am Freitag Morgen ging eine erlebnisreiche Woche zu Ende, in der sich eine harmonische Gruppe gebildet hatte und viele neue Freundschaften entstanden sind!
Schon drei Wochen später – mittlerweile bei bestem Frühlingswetter – durften wir die Reise nach Frankreich antreten. Hier hatte die deutsche Gruppe sicherlich den einfacheren Part – erwarteten uns doch nun keine Fremden, sondern gute Bekannte und sogar Freunde!

Thann im Elsass ist ein beschauliches Städtchen am Fuße der Vogesen, etwa 15 km nordwestlich von Mulhouse, und liegt am südlichen Ende der elsässischen Weinstraße. Als „Hauptstadt des befreiten Elsass“ im ersten Weltkrieg fand Thann Eingang in die Geschichtsbücher, und mehrere Soldatenfriedhöfe in der Umgebung zeugen von der wechselvollen Geschichte und der belasteten Beziehung zum deutschen Nachbarn. Umso schöner ist es nun zu erleben, wie diese Vergangenheit für unsere Jugendlichen einfach keine Rolle mehr spielt und man sich neugierig und vorurteilsfrei begegnet!


Unsere Woche in Thann war ebenfalls gut gefüllt. Nach einem leckeren französischen Frühstück und einer Schulhausführung besichtigten die deutschen Schüler das Musée de l’Automobile in Mulhouse, das in einer ehemaligen Wollspinnerei etwa 450 historische Automodelle beherbergt. Am Dienstag stand ein ganztägiger Ausflug nach Straßburg auf dem Programm. Besonders beeindruckend war der Besuch im Europäischen Parlament, bevor die Schülerinnen und Schüler noch auf eigene Faust das Stadtzentrum erkunden durften. Zwei Vormittage verbrachten die Jugendlichen in der Schule, wo sie das französische Schulsystem kennen- und das deutsche dadurch neu schätzen lernten: Unterrichtsstunden, die 60 Minuten dauern und erst um 17.00 Uhr oder 18.00 Uhr enden, möchte man dann doch nicht gegen das eigene System eintauschen!
Zusätzlich zum Unterrichtsbesuch bekamen die Schülerinnen und Schüler noch eine Aufgabe: die Körberstiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Demokratie, Dialog und internationale Verständigung zu fördern, schreibt jedes Jahr ein deutsch-französisches Projekt aus. In diesem Jahr sollten sich die Jugendlichen mit der deutsch-französischen Annäherung in den Nachkriegsjahren (1945 – 1963) auseinandersetzen. In Kleingruppen nahmen sich die Schülerinnen und Schüler jeweils einen Aspekt des Themas heraus und verfassten dazu einen Zeitungsartikel. Entstanden ist dabei ein mehr als 20seitiges „Magazin“ in zwei Sprachen mit einer bunten Auswahl an Artikeln, Interviews und Schaubildern. Das Ergebnis wurde bei der Körberstiftung eingereicht, und mit ein bisschen Glück können unsere beiden Gruppen sogar einen Preis gewinnen. So wurde auch die deutsch-französische Zusammenarbeit auf kleinster Ebene ausprobiert und umgesetzt!



Mit einer spannenden Stadtrallye in Colmar lernten wir am Donnerstag ein weiteres Highlight der Region kennen, und auch eine Stadtführung in Thann durfte nicht fehlen. Den Samstag verbrachten die Jugendlichen in ihren Familien, bevor am Sonntag nun der (vorerst) endgültige Abschied bevorstand – dieses Mal natürlich deutlich tränenreicher als in Wasserburg, wo der Gegenbesuch ja noch bevorstand! Dennoch – herzliche Umarmungen und Einladungen auf weitere gegenseitige Besuche lassen darauf schließen, dass viele „deutsch-französische Freundschaften“ geschlossen wurden, und die geographische Nähe des Elsass macht es hoffentlich einfacher, diesen Einladungen auch auf individueller Ebene zu folgen.

Insgesamt waren diese beiden Wochen wohl für alle Beteiligten nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell und vor allem auf persönlicher Ebene absolut gewinnbringend, und wir hoffen auf viele weitere Austauschfahrten mit unseren Freunden vom Lycée Scheurer-Kestner in Thann.
